Weshalb uns eine online Massenhyterie irgendwann umbringen wird

Heute tritt zunehmend Hysterie anstelle von Bildung.

© Stefan Rogal (*1965), Autor, Herausgeber und Kolumnist

Nachrichten verbreiten sich heutzutage blitzschnell. Das Internet macht es möglich. Kaum ist ein Artikel online geht er sofort viral durchs weltweite Netz, wird auf sozialen Netzwerken geteilt und von alles und jedem kommentiert. Das Internetzeitalter verbreitet Infos, schneller als die Polizei erlaubt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Artikel/Post wird all zu oft so rasant geteilt, als die Überprüfung der Quelle und Fakten bei vielen Meldungen ausbleibt. Das blinde teilen von Inhalten ist weit verbreitet.  Oft werden Fahndungsaufrufe privater Personen ohne nachzudenken geteilt. Oder Artikel von Homepages kopiert, die zumindest vom Domainnamen her vertrauenserweckend scheinen.

Im Nachhinein stellte sich leider öfters heraus, das die Meldung veraltet, falsch weitergegeben oder gar gelogen ist. Trotzdem belassen viele diesen geteilten Inhalt auf ihrer Timeline, zieht er doch massig an Menschen auf das Profil. Schlimm sind auch die Fotos von Katastrophenübungen, die von so manchem genutzt werden, um es als aktuelles Foto einer gerade stattgefundenen Katastrophe zu präsentieren.

Wie schnell die Menschen urteilen und angebliche Fakten posten sieht man  beispielsweise an dem aktuellen Vorfall in Münster:

Am 07.04.2018 steuerte ein 48 Jahre alter Mann deutscher Herkunft (traurig das man das heutzutage mit dazu schreiben muss) einen Kleinbus in eine Menschenmenge in Münster. Laut Medienberichten wurden 2 Menschen getötet und 20 Menschen teils schwer verletzt.

Schon Minuten nachdem die ersten Medienberichte über den Vorfall auftauchten fingen die Menschen in den sozialen Medien an Falschmeldungen zu verbreiten:

„Terroranschlag in Münster!“

„Terroristen greifen Münster an!“

„ISIS tötet Menschen bei Anschlag in Münster!“

„Deutschland wird von Terroristen angegriffen!“

Sind nur einige Beispiele für Posts, die von Privatnutzern in der Social Media Welt verbreitet wurden. Obwohl bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand genaueres wusste wurde die unbewiesene Terrormeldung zum Selbstläufer. Menschen fingen online wie verrückt an über den angeblichen Terrorangriff zu diskutieren. Äußerten ihre Angst und Panik. Manche wollten ihre Häuser/Wohnungen aus Angst vor einem erneuten „Anschlag“ nicht mehr verlassen. In diversen Artikeln zu dem Vorfall, wurde von der Polizei darum gebeten keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen, keine Falschmeldungen zu verbreiten. Was hat es genützt? Nichts! Spätestens seit 08.04.2018 ist klar: Es war kein Terroranschlag, nur die schreckliche Tat eines psychisch auffälligen Mannes.

Noch ein Beispiel gefällig was Massenhysterie anrichten kann?

Im Jahr 2012 schockte die Menschen der Mord an Lena (11) aus Emden. Das Mädchen wurde in einer Tiefgarage tot aufgefunden. Damals stand kurzzeitig ein zu der Zeit 17 Jahre alter Junge in Verdacht, die Tat begangen zu haben. Sofort sorgten die Medien dafür das sein Foto publik gemacht wird (wenn auch mit Balken vor den Augen versehen). Auf Social Media brach ein Sturm des Hasses gegen den jungen Mann los, online wurden Lynchaufrufe getätigt, Denunziationen fanden statt. Und nicht nur das, vor der Polizeistation in Emden versammelte sich eine zur Lynchjustiz aufgerufene Menschenmenge, zur Tat bereit. 2 Tage später war durch die Ermittlungen der Polizei klar, sie hatten den falschen verdächtigt. Als Mörder von Lena wurde ein zu der Zeit 18 Jahre alter Mann verhaftet. Er gestand die Vergewaltigung und Ermordung des Kindes. Der Mörder wurde 2012 verurteilt und dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen. Das Leben des damals 17 Jahre alten jungen Mannes,der fälschlich verdächtigt  wurde, es liegt in Trümmern. Noch immer geistern Bilder  und nicht gelöschte Lynchaufrufe von ihm durchs Web, die ständigen Todesdrohungen und Denunziationen sind ein Trauma das dieser Mensch und seine Familie hoffentlich irgendwann verarbeiten werden können.

Lerneffekt bleibt aus

Doch die Menschen sind bis heute unbelehrbar. Immer wieder werden Falschmeldungen und vorschnelle Verdächtigungen im Web blitzschnell veröffentlicht. Menschenleben werden durch falsche Verdächtigungen zerstört, unnötige Panik wird in der Bevölkerung verbreitet. Den Postern solcher Meldungen scheint es wichtiger zu sein Aufmerksamkeit auf ihr Profil zu lenken. Likes und Follower scheinen mehr Wert zu sein, als Achtung von Menschenleben. Fest steht, es ist unter aller Sau solche Verdächtigungen, manchmal sogar mit Fotos und Stammdaten des „Verdächtigen“ zu veröffentlichen!!!!

Tragödien Tür und Tor öffnen

Doch was passiert, wenn die Menschen nicht endlich begreifen das diese Art und Weise unterlassen werden muss?

Früher oder später wird blinder Hass und Wut, hervorgerufen durch solche Falschmeldungen eine Tragödie heraufbeschwören! Menschen werden ausrasten, sich zusammenraufen und den nächstbesten Verdächtigen massakrieren, nur aufgrund von Fake News, ohne wirkliche Beweise. Damit später herauskommt, das sie einen unschuldigen,ermordet haben. Geht es so weiter, wird genau das passieren. Kein Gericht spricht jemanden frei mit der Begründung „Fake News machten mich aus Dummheit zum Mörder, sorry“.  Menschen sind zu so vielem fähig, sogar zum lernen und umdenken. Wie wäre es also sich mal am Riemen zu reißen? Abzuwarten mit Postings, Artikeln oder teilen eines Beitrages, bis die Polizei sicher herausgefunden hat wer oder was zu einem Vorfall geführt hat? Oder seid ihr wirklich so geil auf Abonnenten, Likes und Follower das ihr weiterhin unwahren Scheiß posten müsst, Scheiß der Leben zerstören könnte?

In diesem Beitrag habe ich bewusst die Namen der Täter nicht genannt,diese widerwärtigen Individuen brauchen nicht noch mehr Publicity. Die Namen dieser sind durch die Medien schon bekannt gemacht worden und können über das Web herausgefunden werden, wer es unbedingt wissen möchte. 

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